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Jodel – Context-Messaging für Studenten

„Jodeln ist Singen ohne Text auf Lautsilben bei häufigem schnellen Umschlagen zwischen Brust- und Falsettstimme. Jodelnd verständigten sich Hirten und Sammler, Waldarbeiter und Köhler“ – sagt zumindest Wikipedia.

Jodel – Context-Messaging für Studenten

Seit November 2014 verständigen sich allerdings nicht mehr nur Hirten und Sammler übers Jodeln, sondern über 400.000 Studenten in den deutschen Uni-Städten. Klingt konfus? Das haben wir einer App namens „Jodel“ zu verdanken: Nutzer der App können alles posten, was ihnen in den Sinn kommt - ob witzig, belanglos oder informativ. Die Posts können dann von allen anderen Nutzern im Umkreis von 10 km gelesen werden. Gefällt der Post, so kann er durch einen Upvote gekennzeichnet werden. Gefällt der Post nicht, so kann man ihn downvoten. Möchte man dem Post noch etwas hinzufügen, so kann man ihn kommentieren.

Bis auf die Funktion des Downvotens, die es bei Facebook oder Twitter zum Beispiel noch nicht gibt, bringt die App nichts Neues mit sich - mag sich so manch einer vielleicht jetzt denken und liegt damit völlig falsch. Denn die Posts sind alle anonym und niemand kann sehen, wer der Absender ist, da eine Registrierung nicht erforderlich ist. Ein Aspekt, der dem 24-jährigen Jodel-Gründer Alessio Borgmeyer besonders wichtig war, da die Nutzer somit authentischer sein können und die Popularität eines Jodels nur vom Inhalt abhängt. Wird ein Jodel von den Lesern up- bzw. down-gevotet, so wirkt sich das positiv bzw. negativ auf das „Karma“, eine Art Level-Anzeige, des Jodel-Absenders aus.

Besonders hoch im Kurs ist Jodel an den Campussen von deutschen Unis, weil sich dort viele Leute im gleichen Jodel-Umkreis befinden und in der App über das gesprochen und diskutiert wird, was viele betrifft oder was viele kennen: „Täglicher Nervenkitzel: ist noch genug Geld auf der Mensakarte! #Glückspilz des Tages“ wurde an der Uni Köln im Dezember gejodelt und auf der Facebook Seite von Jodel als beliebtester Jodel des Tages gefeiert. Ebenfalls wurde auch der Jodel „Wenn dein Vater dir Geld überweist und ‚Entwicklungshilfe‘ im Verwendungszweck steht #nichtwitzig“ von der TU Berlin auf der Facebook-Seite von Jodel als beliebtester Jodel des Tages im März ausgezeichnet. Jodel wird als Kommunikations- und Austauschmedium in sämtlichen Vorlesungen genutzt oder aber auch als Flirt-App: „An den hübschen Jungen im blauen Pulli vor mir im Audimax: Du bist einfach nur schön!“. Auch die Jodel mit dem Hashtag #jodlerhelfenjodlern, wenn man mal Rat braucht, haben sich etabliert.

Content is king“ ist der Grundgedanke der App, so der Gründer Alessio Borgmeyer. Er möchte mit der Anonymität, die Jodel mit sich bringt, den hauptsächlich jungen Nutzern eine Alternative zu den etablierten Social-Media-Kanälen bieten. Das Nutzerverhalten würde immer mehr darin bestehen, sich mit Posts zu profilieren und aus der Masse heraus zu stechen. Die Einführung von Jodel auf einem Markt, auf dem sich Facebook, Twitter und Co. die „Pole Position“ gesichert haben, lässt sich also als definitiv mutig bezeichnen.

Statt eines reinen Spaßmediums für gelangweilte Studenten ist Jodel aber besonders eins: Ein spannendes Experiment für Marketeers. Jüngere Zielgruppen sind zunehmend genervt von klassischer Werbung, und in anonymen Kanälen wirken geschickt platzierte Empfehlungen wie die eines guten Freundes. Der starke Kontextbezug in Jodel - nur die „Jodel“ im näheren Umkreis werden angezeigt und besonders nahe hervorgehoben - schafft diesen Eindruck. iBeacons und NFC-Technologien sind noch nicht im Alltag vieler Nutzer (und potenzieller Kunden) angekommen; Netzwerke wie Jodel zeigen aber, dass Nähe trotz anonymer Beiträge eine Relevanz für die Zielgruppen erzeugt. Bei rheinfaktor sind wir bereits voll im Jodel-Fieber – man kann nie genug gutes Karma haben!

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